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Music Store

Jule & Bernd

Wo?

Köln

Datum

April 2020

Fotograf

Bruno Alexander

Bitte beschreiben Sie diesen Ort (und das Leben hier zu normalen Zeiten).

Jule: Ich bin Jule und arbeite hier im Music Store. Normalerweise verkaufe ich Akustik-Gitarren in der Akustik-Gitarren-Abteilung. Normalerweise ist hier richtig viel los. Man hört permanent die gleichen Lieder. Viele machen Musik und versuchen sich ein Instrument auszusuchen, was ihren Ansprüchen entspricht.


Bernd: Mein Name ist Bernd Wetenkamp. Ich arbeite im Music Store und mache hier Produktmarketing und Einkauf, bin aber auch ab und an im Verkauf tätig.

Der Music Store ist sonst sehr laut, sehr lebendig. Es sind ganz viele Menschen, die hier rumlaufen. Gerade samstags, kommen viele Familien, professionelle Musiker aber auch Anfänger, die sich durch die Instrumente inspirieren lassen und hier ganz begeistert durch das Haus gehen. Die E-Drums werden ausprobiert, die Akustik-Gitarren, Klaviere und Digitalpianos. Es ist immer sehr wuselig. Man hält an der Kaffeebar ein Pläuschen. Die Leute treffen sich hier, Musiker und auch Leute, die es gerne werden wollen. Es entsteht eine tolle Atmosphäre.

Bitte beschreiben Sie Ihre aktuelle Situation?

Jule: Und jetzt kommt keiner. Jetzt ist keiner hier. Jetzt müssen alle von zu Hause aus schauen, dass sie sich irgendwie beschäftigen. Das ist ein merkwürdiges Gefühl.

Bernd: Wie wir sehen ist es in Zeiten der Corona-Krise relativ leer hier bzw. es ist gar keiner da. Es fühlt sich erst mal etwas merkwürdig an, wenn man sonst viele Kunden gewöhnt ist. Und es ist manchmal auch sehr einsam, weil man alleine im Büro sitzt und die sozialen Kontakte, die man sonst hier mit Kollegen hat, gering sind, aber man arrangiert sich damit. Es ist schon eine Ernüchterung, wenn man den ganzen Tag im Büro ist ohne die Lautstärke um sich zu haben, die man sonst hat. Zudem ist es aber auch jetzt ein viel konzentrierteres Arbeiten. Man wird nicht so oft abgelenkt, wenn ein Kunde oder Kollege hereinkommt. Es ist relativ entspannt, aber auch einsam im Verhältnis zu den sozialen Kontakten, die man sonst zu Kunden oder Kollegen hat. Man ist schon sehr alleine hier.

Was erwarten Sie für sich persönlich von der Zukunft?

Jule: Ich wünsche mir, dass wenn wir irgendwann wieder geöffnet haben, viele musikbegeisterte Menschen zurückkommen und man gemeinsam Gespräche darüber führen kann, wie man am besten Musik macht und welche Gitarre die coolste ist. Das bereitet mir hier die meiste Freude. Nämlich wenn jemand mit einer Gitarre rausgeht, die ich ihm empfohlen habe und derjenige sagt „Das ist total cool!“ und „Ich möchte gerne auf der Gitarre spielen.“ Das ist eine Sache, die ich vermisse und die ich mir einfach wünsche. Ich habe das Gefühl, dadurch dass wir jetzt alles auf null gesetzt haben, die Leute auch mehr drauf achten, was ihre persönlichen Bedürfnisse sind und ich habe die Hoffnung, dass das auch zum Thema Musik ganz gut passt.


Bernd: Für den Music Store erwarte ich, dass es bald wieder los geht, dass der Store für den Kundenverkehr wieder geöffnet ist. Wir haben natürlich noch eine zweite Plattform über Internet und das läuft auch wirklich gut. Klar, viele Leute sitzen mit Kurzarbeit zuhause und brauchen Instrumente und bestellen sie auch. Von daher kompensieren wir das, was eigentlich momentan hier im aktiven Verkauf wegfällt über den Versand und über unser Webportal.

Was ich für die Zukunft erwarte oder auch von dem mitnehme, was ich hier grade erlebe, ist so eine innere Ruhe zu bewahren, egal was ist, auch im privaten Bereich. Es ist nicht so viel Hektik und man wird von äußeren Einflüssen nicht so schnell abgelenkt, sondern konzentriert sich sehr stark auf das Wesentliche. Man kommt sehr zu sich. Ich finde, man schöpft daraus auch Kraft eine innere Ruhe für sich zu empfinden, die man dann auch weitertragen kann. Wenn die Corona-Krise vorbei ist und der normale „Move“ weitergeht, besinnt man sich vielleicht darauf, wie es eigentlich ist, mit sich zu sein und diese Kraft, die man in dieser Zeit für sich schöpfen kann, dann auch in Zukunft zu nutzen.

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Fünfzehn Profifotografen und Fotografinnen, vom Alpenvorland bis Sylt porträtieren deutschlandweit Menschen in der Corona-Auszeit.

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